Arzneimittel der Homöopathie: Globuli und Tropfen

Tropfen und Globuli: Zwei Träger von Heilmittelinformationen

Träger der homöopathischen Arzneimittel-Information sind im Bereich der (Klassischen) Homöopathie zwei verschiedene Stoffe:

  1. Globuli: Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Kügelchen. Globuli ist dabei die Mehrzahl, einer heißt Globulus. Es sind feste Zuckerkügelchen aus raffiniertem Zucker bzw. aus Zucker und Stärkemehl (letztere nach Originalrezeptur vom Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann). Die Globuli haben eine weiße Farbe und werden in verschiedenen Größen hergestellt, von der Größe eines Mohnsamens (Größe 1) bis zu ca. 1,5 mm groß (Größe 3).
  2. Tropfen: In flüssiger Darreichungsform als Wasser-Alkohol-Gemisch (= Dilution) in zumeist kleinen 10ml-Tropfflaschen.

Globuli

Das Foto zeigt einen Haufen Globuli (Zuckerkügelchen) als materieller Trägerstoff homöopathischer Arzneimittel-Information

Globuli
Zuckerkügelchen, auch Streukügelchen genannt, als materieller Informationsträger der Homöopathie
© Heilpraktiker Dieter Wolf

Von diesen zwei Trägerstoffen sind die bekannteren die Globuli. Auf sie werden, ausgehend von den bereits weiterverarbeiteten Ursubstanzen aus dem Mineral-, Pflanzen-, Pilz- und Tierreich, die verschiedenen homöopathischen Heilmittel aufgeträufelt. Anschließend werden die Globuli getrocknet und in kleine Glasröhrchen oder Arzneifläschchen für den Verkauf gefüllt.

Homöopathische Globuli sind Arzneimittel, welche nach den besonderen Prinzipien der Klassischen Homöopathie hergestellt werden. Die Herstellung hat der Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann erstmals in seinem Grundlagenwerk der Homöopathie, dem sogenannten „Organon der Heilkunde“ beschrieben. Sie findet sich heute auch im deutschen homöopathischen Arzneibuch (HAB), einem Teil des deutschen Arzneibuches (DAB) wieder, leider in einigen Punkten von der ursprünglichen Herstellungsweise des Organon abweichend.

Die Herstellung setzt sich im Wesentlichen aus zwei kombinierten und sich ständig abwechselnden, stufenweisen Schritten zusammen:

  • Verdünnung der homöopathischen Ursubstanz mit dem Trägerstoff in bestimmten Stufen. Verdünnung meint dabei schrittweise Entmaterialisierung der Ursubstanz und dadurch Entwicklung des feinstofflichen, geistartigen, dynamisch-lebendigen Arzneimittel-Charakters.
  • Potenzierung durch rhythmische Verreibung bzw. Verschüttelung des Gemisches aus Ursubstanz und Trägerstoff. Mit Potenzierung bezeichnet man den Prozess der Kraftaufladung bzw. die Freisetzung der inneren, geistartigen Kraft des ursprünglich grobstofflichen Arzneimittels.

Erst Verdünnung und Potenzierung führen zur vollen Entfaltung des verborgenen Charakters und der inneren Kraft des Heilmittels

So werden durch den homöopathischen Herstellungsprozess feinstoffliche Informationen auf den materiellen Trägerstoff geprägt. Innerer Charakter und innere Kraft der ehemals groben Stoffe werden mit jedem Verdünnungs- und Potenzierungsschritt weiter freigelegt, verfeinert und gleichzeitig verstärkt. Das Motto dabei ist: „Weniger ist mehr“ und „Qualität geht vor Quantität“! In der Homöopathie ist nicht die eingenommene Menge der Globuli entscheidend, sondern die besondere Qualität der Herstellung, die angemessene Höhe der Potenz sowie die Ähnlichkeit des jeweiligen Arzneimittelcharakters zum Charakter des Gesamtkrankheitsbildes des Patienten.

Erst durch diese schrittweise Anpassung und Verfeinerung der ehemals grobstofflichen Kraft wird es überhaupt möglich, die „über“ der materiellen Ebene liegende verstimmte immaterielle Lebenskraft zu erreichen, welche in der Homöopathie als wesentlicher Faktor für Krankheit gilt. Diese verstimmte Lebenskraft (von Hahnemann auch Dynamis genannt = in den Organismus einfließende Lebenskraft, die dort als Selbstheilungskraft wirkt) verschafft sich über die körperliche, emotionale und mentale Ebene ihren pathologisch sichtbaren Ausdruck. Und diesen Ausdruck (Symptome, Zeichen, Signale) packen Mediziner dann in symptombeschreibende Diagnosebegriffe wie beispielsweise grippaler Infekt, Sinusitis, Migräne, Refluxösophagitis, Fibromyalgie, Erschöpfungssyndrom / Burnout, chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS), Dysthymie (depressive Verstimmung), reaktive Depressionen usw.

Das Foto zeigt die ganze Pflanze und ihre keulenartigen Sporen als Ursubstanz des homöopathischen Arzneimittels Lycopodium

Lycopodium clavatum: Keulen-Bärlapp
Dessen Sporen sind Ausgangssubstanz zur Herstellung homöopathischer Lycopodium-Globuli
Foto © Christian Fischer

Globuli werden in verschiedenen Potenzstufen bzw. Potenzreihen angeboten. So meint beispielsweise die Bezeichnung Lycopodium C30 ein homöopathisches Arzneimittel, welches als Ursprungssubstanz die Sporen von Lycopodium clavatum (zu Deutsch Keulen-Bärlapp) enthält. Diese Sporen durchlaufen im Mischungsverhältnis 1:100 dreißig Mal die beiden zusammengehörenden Bearbeitungsschritte von Verdünnung und Potenzierung.

  • C-Potenz steht hier für das Verdünnungsverhältnis 1:100 (1 Teil der Ursubstanz wird mit 100 Teilen Trägerstoff verrieben)
  • Q- bzw. LM-Potenz meint ein Verdünnungsverhältnis von 1:50000 (1 Teil der Ursubstanz wird mit 50000 Teilen Trägerstoff verrieben bzw. verschüttelt)

Die so häufig vor allem von Apothekern empfohlenen, von Ärzten und Selbstbehandlern angewendeten D-Potenz-Globuli sind im engeren Sinne keine Arzneimittel der Homöopathie! Das Verdünnungsverhältnis von 1:10 bei D-Potenzen ist nicht von Dr. Hahnemann entwickelt, wurde von ihm als unhomöopathisch abgelehnt und ist somit nicht im Sinne der Grundlagen der Homöopathie. Diese Globuli finden in der Regel Anwendung nach rein schulmedizinischen (= allopathischen) und materiellen Gesichtspunkten zur Symptomverdrängung. Diese unterscheiden sich grundlegend von den homöopathischen (siehe auch Artikel Homöopathie vs. Allopathie – Unterschiede). So enthält ein D-Potenz-Globuli wie Arnika D12, Aconitum D6 oder Arsenicum album D4 noch materielle, molekulare Reststoffe. Aber genau dies soll ja in der Homöopathie ausgeschlossen sein, da ein materieller Wirkstoff keine Regulationskaskade, ausgehend von der verstimmten Lebenskraft auslösen kann, sondern direkt, fremdsteuernd und manipulierend auf ein erkranktes Organ einwirkt.

Anwendung von Globuli in D-Potenzen ist keine Homöopathie in Sinne der Heilkunst!

Es enthalten einige der niedrig potenzierten D-Potenz-Globuli, wie oben kurz erwähnt, noch Moleküle der Ursprungssubstanz. Da in die Homöopathie auch viele giftige Stoffe Eingang finden, kann die Anwendung einiger D-Potenzen Giftstoffe in den Körper einführen. Beispielhaft zu nennen wären Globuli unterhalb der Potenz D23, wie Aconitum (Blauer Eisenhut bzw. Echter Sturmhut), Belladonna (Tollkirsche), Hyoscyamos (schwarzes Bilsenkraut), Stramonium (Stechapfel), Mercurius (Quecksilber), Arsenicum album (Arsen) oder Agaricus muscarius (Fliegenpilz), um nur einige bekannte zu nennen. Ich persönlich würde solche Mittel nicht freiwillig in einer grobstofflichen D-Potenz einnehmen wollen!

Unterscheide homöopathisch hergestellte Globuli von der Methode der Homöopathie

Die reine Anwendung der nach Homöopathie-Prinzipien hergestellten Globuli bedeutet aber noch lange nicht, dass diese von allen Behandlern dann auch nach homöopathischen Prinzipien angewendet werden! In der Regel nennt sich derjenige, der dies nach den Regeln der Kunst auch tut, Klassischer Homöopath bzw. Klassische Homöopathin, die angewendete Methode nennt sich Klassische Homöopathie.

Und genau dieser zentrale Faktor der Anwendung ist es, der ein homöopathisches Arzneimittel bei unhomöopathischer Anwendung zu einem gewöhnlichen schulmedizinischen (allopathischen) Medikament werden lässt. Ein allopathisches Medikament ist gegen die Lebenskraft und ihren Symptomausdruck gerichtet und soll ihn unterbinden. Genauer gesagt wird der Symptomausdruck aus der Empfindung verdrängt und unterdrückt, was zeitversetzt Folgeerkrankungen, Verkomplizierungen bzw. Chronifizierungen mit sich bringen kann!

Homöopathie = Verwendung homöopathischer Arzneimittel + deren Anwendung nach homöopathischer Gesetzmäßigkeit!

Viele Menschen denken, wenn sie mehrere Globuli gegen bestimmte körperliche Symptome und Beschwerden einnehmen, ist dies gleichbedeutend mit Anwendung von Homöopathie. Doch weit gefehlt! Homöopathie ist ausschließlich die kunstgerechte Anwendung homöopathisch hergestellter Arzneimittel unter strikter Anwendung der homöopathischen Grundlagen. Diese Grundlagen und Gesetzmäßigkeiten hat Dr. Samuel Hahnemann im Organon der Heilkunst (6. Auflage von 1921) dargelegt. Beides, Herstellungsprozess und Anwendungsprinzip, gehören untrennbar zusammen. Jede Anwendungsform, die davon abweicht, sollte sich bitteschön nicht Homöopathie nennen. Daher wird heutzutage auch der Begriff „Klassische Homöopathie“ verwendet in Abgrenzung zu Anwendungsformen, die mit Homöopathie im Grunde genommen nichts zu tun haben, sich jedoch leider so nennen und im Gewand der Homöopathie daherkommen. Dies schadet dem Ansehen der eigentlichen Homöopathie sehr und produziert viele Missverständnisse und Fehleinschätzungen über diese wunderbare, völlig nebenwirkungsfreie und sehr kraftvolle Heilkunst!

Fazit

  1. Homöopathie nach den Regeln der Kunst anzuwenden bedeutet, homöopathisch hergestellte Globuli und Tropfen unter Kenntnis der homöopathischen Gesetzmäßigkeiten zu verordnen.
  2. Nur homöopathisch hergestellte Arzneimittel allein anzuwenden, ist keine Homöopathie, sondern Allopathie. Letztere ist eine völlig andere Methodik, eine der Homöopathie entgegengesetzte und rein aufs Materiell-Organisch zielende Vorgehensweise.

Weitere Seiten und Artikel zur Homöopathie:

Klassische Homöopathie     Klassische Homöopathie in München / Allgemeiner Überblick

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Homöopathie vs. Allopathie     Unterschiede Homöopathie und Allopathie (Schulmedizin)

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Rechtliche Hinweise: Dieser Artikel dient Ihrer Information über die Methodik der Klassischen Homöopathie und stellt keine Anleitung zur homöopathischen Selbstbehandlung dar. Bei den oben evtl. aufgelisteten Beschwerden konsultieren Sie einen Heilpraktiker oder Arzt! Und: Bei den auf diesen Webseiten vorgestellten Behandlungsmethoden / Arzneimitteln handelt es sich um Methoden / Arzneimittel der homöopathischen Erfahrungsmedizin, die nicht zwangsläufig zu den allgemein anerkannten schulmedizinischen Methoden / Arzneimitteln gehören. Daher: Alle getroffenen Aussagen über Eigenschaften und Wirkungen sowie Indikationen beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen der jeweiligen Therapierichtung bzw. deren Anwender selbst!