Beispiel einer psychosomatischen Behandlung

Lieber etwas „körperlich-materiell Greifbares“ als etwas „psychisch oder seelisch Ungreifbares“

Es trägt zur Verstärkung und Fixierung der auf Körpersymptome orientierten Sichtweise der Medizin bei, dass – nachvollziehbar für die meisten Patienten, wie auch für viele Ärzte und Heilpraktiker – eine „greifbare und handfeste“ körperliche Erkrankung immer noch einfacher zu akzeptieren ist, als „ungreifbare und schwammige“ seelische Beschwerden, die sich über Störungen der Körperfunktion Ausdruck verschaffen.

In unserer modernen, westlichen Gesellschaft und Weltsicht ist der Bezug zum Verbindenden, Systemisch-vernetzten, Seelischen und Übergeordneten sehr in den Hintergrund gedrängt und materiellen, ökonomischen, detail- und leistungsorientierten, sachlichen und rationalen Zwängen erlegen (siehe auch Artikel: Verlust der Körper-Seele-Einheit in der Medizin). Dies führt viele auf körperlicher Ebene Leidende ohne organischen Befund zu einer wahren Odyssee durch die verschiedenen medizinischen körperorientierten Fachgebiete, meist ohne Aussicht auf Besserung oder gar Heilung der funktionell bzw. psychosomatisch bedingten Erkrankung.

Beispiel einer psychosomatischen Behandlung

Ich erinnere mich noch gut an den Leidensweg eines früheren Patienten. Wie erleichtert dieser reagiert hat, als nach jahrelanger „Reise“ durch diverse Arztpraxen einer endlich etwas „Körperliches“ gefunden hatte, das sich dingfest machen ließ – mit dem Etikett eines körperlichen Diagnosebegriffes versehen, in seinem Fall „Cluster-Kopfschmerz“ (auch Histaminkopfschmerz / Bing-Horton-Syndrom genannt). Also Lebensqualität und Lebenskraft raubende und sehr starke, einseitige Kopfschmerz-Attacken mit diversen Begleitsymptomen.

Doch die Enttäuschung war groß, denn mehr als ständige medikamentöse Schmerz-Unterdrückung in immer höheren Dosen passierte wieder nicht. Das herkömmliche Therapieprinzip war: Noch mehr vom Gleichen gegen die Symptome, was im Sinne einer echten Ausheilung nicht wirklich funktionierte.

Erst mit dem Reifen der eigenen inneren Bereitschaft, selbst bewusster, selbstfürsorglicher und eigenverantwortlicher mit seinen Beschwerden umzugehen und aktiver selbst eine Lösung zu suchen, statt sie allein dem Mediziner aufzubürden, kam Bewegung in die eingefahrene Angelegenheit!

Eine erste kleine Linderung ohne Chemie brachte dann eine tiefgehende klassisch-homöopathische Behandlung in Kombination mit Übungen zur Selbstwahrnehmung und -bewusstwerdung (in seinem Fall Atemarbeit nach Middendorf und Tai Chi Chuan sowie Qi Gong). Weiterhin viele Impulse über eine begleitende psychologische Lebensberatung, in denen vor allem die Selbstablehnung, der Umgang mit Aggression und die Stärkung des Gegenpols, die Selbstliebe bzw. Selbstachtung ein großes Thema waren.

Der seelische „Status“ vor der Behandlung war gekennzeichnet von extremer emotionaler Überempfindlichkeit und unterdrückter Aggression, die primär zur Autoaggression wurde, sich also gegen sich selbst richtete. Vermittelt wurde dies durch die allergische Neigung (Überempfindlichkeit!) gegenüber harmlosen Nahrungsbestandteilen und über den körpereigenen Stoff Histamin, der Entzündung, Schwellung und Schmerz erzeugt! Weiterhin bestand eine große Unbewusstheit und Ablehnung seiner Selbst, phasenweise hinaus projiziert auf andere Menschen und die Welt.

Dies wurde dann sichtbar in seiner tendenziell menschen- und lebensfeindlichen Grundhaltung und war wohl die Folge einer nicht greifbaren, tiefen emotionalen Verletzung. Diese Verletzung war ins Unbewusste verdrängt, aber eben nicht weg! (→ Merke: Unser Unterbewusstes speichert jede Information und schon die Physik beweist, dass Energie niemals sich in Nichts auflöst und verschwindet. Sie wird immer in einen anderen Zustand umgewandelt).

Die Ebene seiner Gefühle hatte er – aufgrund der emotionalen Verletzung zum Schutz vor erneuter Verletzung – einer Fixierung auf das Rationale und Sachliche weitgehend „geopfert“. Er wirkte nach außen oft unter Druck, hart und abweisend. Für einen vom Grundcharakter her schwerpunktmäßigen Gemütsmenschen eine verständliche, aber folgenreiche (unbewusste) Entscheidung!

Schritt für Schritt in einem motivierenden, lösungsorientierten Prozess, der Stärkung seiner brachliegenden Kräfte, neuen Zielsetzungen für sein Leben und einer homöopathischen Behandlung über fünf Jahre besserte sich der Zustand dann soweit, dass er ohne symptomunterdrückende Schmerzmittel erträglich wurde. Durch konsequentes Arbeiten an einem positiveren, lebensbejahenderen Selbstbild (Stichwort Selbstliebe) schwächte sich die körperliche Symptomatik weiter ab. Natürlich gab es viele Rückschläge. Er stand jedoch immer wieder auf und setzte seinen Weg fort nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel!“ und „Stärken stärken, schwächt Schwächen ab!“

Der Punkt dabei war, sich nicht allzu lange mit der kopfgesteuerten Analyse des Problems in der Vergangenheit und der Ursachenforschung (tiefenpsychologisch) aufzuhalten. Das Heilende in diesem Prozess war erstens die ehrliche Konfrontation mit und die Einsicht in die Selbstablehnung und deren Projektion in die Umwelt und zweitens das Erzeugen von Gegengewichten und Selbstheilungs-Kräften mit den Schwerpunkten Verbesserung des Empfindungssinnes, Wertschätzung der Gefühlsebene und ressourcenorientierte Veränderung der eigenen Wahrnehmung.

Leid und Krankheit als Weg der Entwicklung zu sich selbst

Fazit: Sie werden erkennen, dass eine rein symptomatisch-medikamentöse Behandlung hier nicht zum Ziel hätte führen können. Erst der eigene Entwicklungsschritt, ausgelöst durch starken Leidensdruck, startete die Neuregulierung des ganzen erkrankten Menschen in Richtung echter Besserung und Heilung. Eigene Aktivität und Kreativität im Umgang mit Krankheit lässt Kräfte und Fähigkeiten wachsen, die vormals brach lagen. So gesehen kann Krankheit ein Weg zu sich selbst und seinen Ressourcen sein.

Nicht Greifbares auszublenden ist menschlich

Es ist menschlich und verständlich, dass wir uns medizinisch am liebsten an Greifbares, Materielles und Organisches halten. Doch damit blenden wir alles aus, was seelisch hinter körperlichen Beschwerden stecken kann und oft genug – mindestens die Beschwerden verstärkend – auch tut.

Damit verlieren wir ein wichtiges Spektrum an Wahrnehmungen über uns selbst, die uns helfen könnten, angemessenere und selbstförderlichere Entscheidungen auf unserem Lebensweg zu treffen. Denn die meisten der funktionellen Beschwerden sind erfahrungsgemäß Folge unförderlicher Gedanken und Verhaltensweisen, die durch eine oft nur minimale Kurskorrektur im Leben wieder in geregelte Bahnen zurückkehren. Nur braucht es zu dieser Kurskorrektur eben Bewusstsein über sich selbst und seine Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen.

So können alle möglichen am und im Körper vorkommenden funktionellen Störungen – vermittelt über Nervensystem, Hormonsystem, Abwehrsystem – einen seelischen Hintergrund haben wie beispielsweise Hexenschuss / Lumbago (häufiges Zusammenspiel von mechanischer und seelischer Überlastung), Rheuma (unbewusste autoaggressive Tendenzen), Lippenherpes (Stress), Tinnitus (Stress), Hörsturz (Stress), Schwindel / Kreislaufstörungen, Herzrasen / Herzrhythmusstörungen (Angst / Stress…), Verdauungsstörungen aller Art (Reizmagen, Magenkrämpfe, Reizdarm, Verstopfung, Durchfall…), Reizblase, Schlafstörungen, Kopfschmerz (Leistungsdruck) / Migräne, menopausale Beschwerden usw.

Weitere Symptome bzw. Diagnosen siehe Symptome psychosomatischer Störungen

Zurück zum Artikel Psychosomatik in München / Einführung

©2013 Heilpraktiker Dieter Wolf in München: Bei Interesse an einer Behandlung und Beratung kontaktieren Sie mich unter 089 55279888.