Selbstliebe lernen – Mir ein guter Freund sein

Selbstliebe als bergende Haltung mir selbst gegenüber

Selbstliebe ist die Bereitschaft, alles Erfahrene an mir und in mir anzunehmen! Und zwar unabhängig davon, ob es mir angenehm ist oder nicht, ob ich es mag oder nicht, ob es Wohlbefinden erzeugt oder Schmerzen auslöst! Genau das meint Selbstannahme oder Selbstakzeptanz, zwei Begriffe, die Selbstliebe am besten beschreiben.

Selbstliebe lernen im Ölbild zweier Körperhälten, die sich einander zuwenden

Selbstliebe und Selbstannahme lernen – Sich freundschaftlich gesinnt sein und für sich sorgen

Selbstliebe ist eine aktive, sich ständig weiterentwickelnde innere Haltung, die im Äußeren durch entsprechende Aussagen oder Handlungen sichtbar wird. Somit ist Selbstliebe letztlich ein aktives Tun und kein passives Abwarten, ob sie „irgendwie“ von allein entstehen mag!

Selbstliebe heißt jedoch nicht, dass ich alles für die Zukunft unverändert so lassen muss, wie es ist. Was ich ändern möchte und auch realistisch ändern kann, kann verändert werden unter der Beachtung meiner Würde und der anderer Wesen. Doch vor der Veränderung kommt zuerst die Annahme meines jetzigen Zustandes! Wenn ich eine emotionale Verletzung heilen möchte oder seelisch mich entwickeln will, ist es sinnvoll zu wissen, wo ich jetzt gerade stehe. Sonst gerate ich in einen inneren Konflikt und Kampf mit mir selbst und meine Lebenskraft bleibt mitunter auf der Strecke.

Selbstliebe ist die Weigerung, zu mir selbst in einer unförderlichen, verletzenden oder gar feindseligen Beziehung zu stehen.

Selbstliebe ist, sich selbst ein wahrlich guter Freund zu sein! Ich bin für mich und nicht gegen mich.

Selbstliebe ist, mit mir zärtlich, fürsorglich und liebevoll umgehen, mir selbst Mutter zu sein, mich selbst bergen und schützen.

Der Kern jeder Liebe zu mir selbst und zu anderen ist die Selbst-Liebe (nicht zu verwechseln mit Narzissmus, der selbstsüchtigen, übersteigerten, egozentrischen, sich um sich selbst drehenden, krankhaften „Selbstliebe“ oder genauer gesagt: Störung der Selbstliebe!).

Nächstenliebe ohne Selbstliebe ist wie ein Haus ohne Fundament, wie ein Baum ohne Wurzeln

Selbstliebe ist die Wurzel der Nächstenliebe sowie die Liebe zu Gott die Wurzel zur Selbstliebe ist!

Gesunde Selbstlosigkeit funktioniert nur auf der Grundlage einer bewussten und gesunden Selbstliebe. Somit kann Selbstlosigkeit / Bedürfnislosigkeit / Askese im ungesunden Sinne als (unbewusster) Versuch betrachtet werden, sich der Liebe und Wert-Schätzung anderer Menschen zu versichern, um die eigene innere Leere und Wertlosigkeit zu füllen! Wie soll dies auf Dauer gutgehen?

Nur wenn ich einen gewissen inneren „Überschuss an Liebe“ erzeuge, kann dieser Überschuss nach außen zu anderen Wesen kanalisiert werden. Gebe ich ständig Liebesenergie nach außen ohne innere Selbstliebe, leere ich meine emotionalen Akkus, laufe ich aus und geradewegs in die Erschöpfung. Stichwörter für diesen pathologischen Prozess könnten beispielsweise „Helfersyndrom“, „Depression / depressive Erschöpfung“, „Erschöpfungssyndrom“, „chronische Müdigkeit“ oder „Burnout“ usw. heißen!

Hindernisse der Selbstliebe

Für die Selbstliebe sowie für die Liebe zu anderen gibt es kein größeres Hindernis als die (oft unbewusste oder nur teilbewusste) Furcht, dass ich Liebe, Wertschätzung und Respekt nicht verdiene und dass es mein Schicksal ist, verletzt zu werden!

Selbstverachtung zieht im Außen mich demütigende, verletzende Menschen und Situationen an. Das Resonanzgesetz lässt grüßen!

Wenn ich „weiß“, dass ich keine Liebe verdiene, dann werde ich auch keine Möglichkeiten erschaffen, in denen Liebe entstehen könnte. Ich werde selbstverachtende Gedanken, Gespräche und Handlungen erzeugen sowie im Außen Menschen anziehen, die mich missachten und von denen ich mich missachten lasse (Ähnlichkeitsgesetz / Resonanzgesetz!). So erhalte ich den Teufelskreis der Selbstsabotage am Leben, der mir immer wieder bestätigt und mein „Wissen“ untermauert, dass ich keine Liebe, Achtung, Respekt und Wertschätzung verdiene.

Fehlende, gestörte oder unterentwickelte Selbstliebe bzw. Selbstannahme lerne ich nicht mit einer Kurzaffirmation oder in einem 2-Wochen-Crashkurs, wie oft suggeriert wird. Es bedarf eines anhaltenden Bewusstwerdungsprozesses und regelmäßiger, jahrelanger Übung, wie beim Erlernen einer Fremdsprache. Es gilt: Ein Schritt nach dem anderen, innehalten, wahrnehmen, annehmen und weiter gehen. Ich experimentiere mit verschiedenen Maßnahmen und mache dann ein Mehr derjenigen Maßnahmen, die sich als selbstförderlich herausstellen. Ein Baum wächst auch nicht von heute auf morgen zu voller Größe. Er benötigt für gesundes Wachstum günstige Wachstumsbedingungen wie ausreichend gute Erde (Bakterien, Mineralien, Nährstoffe usw.), Wasser, Luft, Licht, Raum… Ein Baum mit zu geringem Wurzelwerk (wenig Selbst-Bewusstsein und Selbstliebe) fällt bei Wind (Herausforderungen des Lebens) schnell mal um.

Selbstliebe als Annahme dessen, was mich ausmacht

Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstliebe – Das Fundament meines Selbstwertes

Selbstliebe bzw. die liebevolle Annahme dessen, was mich ausmacht, gehört zusammen mit Selbstvertrauen und einem bewussten Leben zu dem Fundament meines gesunden Selbstwertgefühls! Erst mit einer weitgehenden Stabilisierung dieses Fundamentes können sich die weiteren „Wachstums-Zutaten“ des Selbstwertgefühls wie eigenverantwortliches, selbstbestimmtes und zielgerichtetes Handeln sowie Authentizität (Echtheit, Glaubwürdigkeit) und Integrität entfalten (Integrität: Rechtschaffenheit; Denken, Reden und Handeln entsprechen den inneren Bedürfnissen und Werten des Welt- und Glaubensbildes).

Selbstliebe braucht Selbst-Bewusst-Sein der eigenen Grenzen

Selbstliebe bedeutet auch, dass ich meine Grenzen kenne (Selbst-Bewusstsein) und respektiere (Selbstannahme). Ich kenne weitgehend meine Stärken und meine Schwächen. Ich weiß im Großen und Ganzen, was mit guttut und was mich schlechttut. Ich bin mir meiner Ängste bewusst und kenne meine Reaktionsmuster auf emotionale Verletzungen. Daher bin ich nicht mehr so anfällig für diese Reize und es fällt mir mit der Zeit leichter, den Zustand der Selbstliebe aufrecht zu erhalten.

Ohne Bewusstsein über die eigenen Muster und ohne Selbstliebe ist kein seelisches Wachstum, keine seelische Reifung möglich

Es gibt Menschen, die sich auf einer sehr tiefsitzenden Ebene ablehnen, so dass es unsinnig wäre, gleich an einem persönlichen und lösungsorientierten Wachstum zu arbeiten. Zuerst muss die Selbstablehnung zu einem gewissen Teil abgeschwächt sein und das Bewusstsein gestärkt. Das wäre sonst so, als würde ich den Karren vor den Esel spannen und mich wundern, wieso nichts weitergeht. Hier funktionieren in der Regel keine reinen Verhaltenstherapien, kein Coaching oder Motivationstraining und auch keine positiven Affirmationen. Denn dies alles baut auf einem bereits vorhandenen Minimum an Selbst-Bewusstsein und Selbst-Achtung auf! Ohne dieses innerlich stabilisierte Fundament gibt es auf Dauer keine echte innere Entwicklung! Wer im unbewussten Sumpf des Jammerns, Klagens und Leidens – des andere Anklagens und des Selbstbemitleidens – festhängt, hängt solange fest, bis er von innen heraus seinen Anteil daran bewusst wahrnimmt und annimmt, akzeptiert. Erst dann kann er sich vom Leiden bewusst distanzieren und zu lösen beginnen und so wird erst eigenverantwortliche Entwicklung möglich! Denn Pillen zur Förderung von Bewusstsein und Selbstliebe gibt es nicht. Damit könnte man höchstens ungeliebte, nicht akzeptierte Symptome in sich selbst unterdrücken und den Zustand von mangelnder Eigenverantwortung weiter verstärken.

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