Warum die Anbetung des Mammon nicht wirklich Glück erzeugt und Sinn verleiht

Plädoyer für einen eher bescheidenen, achtsamen und werteorientierten Lebensstil

Die Anbetung des Mammon

Geld, Rendite und Besitz als glück- und sinngebende Macht und Quelle von Zufriedenheit?

Glück, Zufriedenheit, Lust, Wohl- und Hochgefühl durch immer mehr Geld, materiellen Wachstum und Besitz? Mit diesem Artikel möchte ich ein wenig zum Nachdenken anregen in einer zwanghaft glück- und konsumfixierten Welt, in der wir (fast) alle äußerlichen, materiellen Besitz und Geldmittel immer wichtiger und selbstverständlicher nehmen und dabei Ressourcen exzessiv verschwenden. Und dies entgegen allen sozialen „Humanisierungs-Floskeln“ und nachhaltigen „Green-Washing-Programmen“ aus Wirtschaft, Industrie, Politik und Bürgertum – seien sie nun ehrlich gemeint oder vorgetäuscht. Denn einzuschränken in seinem Lebensstil scheint sich letztlich kaum jemand zu wollen! Das gierige und habsüchtige kleine Ego in uns will halt einfach nicht.

Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das „Billigste“ ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.
(Erich Fromm)

Immer weiter ausdehnen, immer größer, immer höher, immer mehr und Quantität statt Qualität scheint das herausragende Motto unserer Zeit zu sein. Autos und Menschen werden immer dicker, Häuser, Fernseher und Menschen immer größer, Gewinne auf der einen Seite und Schulden auf der anderen immer mehr. Gegen seelische Unglücks- und körperliche Krankheitssymptome werden Massen an nebenwirkungsreichen Arzneimitteln geschluckt, weil viel hilft viel und hilft´s mal nicht, wird die Dosis erhöht. Glücks- und Selbstwertcoachings schießen aus dem Boden wie Pilze im Herbstwald, aber werden wir dadurch wirklich glücklicher und sinnerfüllter? Wohlstand, Gesundheit und Glück sollen gefälligst sich stetig mehren und ach weh, wenn sie mal weniger werden. Dann sind wir irritiert, unzufrieden, unglücklich oder werden gar depressiv.

Können wir wirklich ein sinnerfülltes und glückliches Leben erreichen durch Fixierung auf Geld, Gold, Kapital und Besitz, auf Äußerlichkeiten und Materielles? Durch ständigen Konsum und Horten von Wirtschaftsgütern? Durch „Anbetung des Mammon“ und den „Tanz ums Goldene Kalb“? Können wir wahrhaftig Glück erzeugen ohne innere Werte, ohne Bedeutungszusammenhänge, nur mit äußeren Hüllen und sinnentleerten Formen? Möge sich jeder aus seiner ehrlichen Lebenserfahrung und aus seinem Herzen heraus diese Fragen selbst beantworten.

Glück ist Selbstgenügsamkeit
(Aristoteles)
…und die liebevolle Annahme der ganzen Lebensfülle, also auch der negativen Seite!
(Heilpraktiker Dieter Wolf)

So frage ich frage mich als Heilpraktiker, Lebensberater und Homöopath beispielsweise immer wieder, was wohl die Gründe sind für die massive Zunahme von „Depressionen„, der seelischen Niedergeschlagenheit, der Traurigkeit, des tiefen Unglücks, der inneren Leere und Sinnlosigkeit. Könnte hier – im Zusammenspiel mit anderen Faktoren – eine Verbindung bestehen zwischen dem medial transportierten Glücks- und Konsumzwang und unserer Idealisierung desgleichen. Durch eine zu hohe Erwartungshaltung in Bezug auf Glück, Zufriedenheit und lustvollem Wohlgefühl werden wir angetrieben zu einer sinnentleerten Glücks-, Wohlfühl- und Lustjagd in einer modernen Spaßgesellschaft unter Ausblendung der „negativen“ Seiten des Lebens, der Unlust, der Schmerzen und Leiden. Bedenken Sie, dass das Leben jedoch eine Polaritätsgeschichte ist, bei der angenehme und unangenehme Seiten, Lust und Unlust, Glück und Pech, Gesundheit und Krankheit, Tage der Fülle und Tage der Leere usw. untrennbar dazugehören! „Mal ist man der Baum, und mal ist man der Hund“ drückt diesen Fakt der Polarität der Welt auch ganz gut aus. Wer dies nicht annehmen kann oder will, ist sehr anfällig für Ent-Täuschungen, was positiv betrachtet aber nur das Ende einer Täuschung bzw. Illusion ist und die Chance zum Aufwachen und Bewusstwerden beinhaltet.

Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.
(George Bernard Shaw)

Da wir in einer wissenschaftsgläubigen Zeit leben (und immer mehr verlernen, unserer eigenen Erfahrung zu trauen), muss natürlich auch Glück wissenschaftlich untersucht werden. Und so haben sich diverse Wissenschaftler wie beispielsweise Wilhelm Schmid (1), Michael Argyle (2), Ruut Veenhoven (3), Martin Seligmann (4) oder im weitesten Sinne auch Erich Fromm (5) des Themas Glück und Geld bzw. Besitz angenommen. Sie kamen in Ihren Ausführungen auf ein nicht wirklich verblüffendes Ergebnis: Nein! Gewinnorientierung, Geld, Haben oder Besitz an sich machen weder froh noch gesund noch glücklich noch zufrieden! Einzige Ausnahme: Menschen, die in der (westlichen konsum- und kapitalorientierten) Welt unterhalb des in Geld bemessenen Existenzminimums leben, sind glücklicher, wenn sie sich wenigstens ihre Grundbedürfnisse erfüllen können.

Innere Werte als stabilisierende Grundlage für Glück und Sinn in der Welt

Glück lässt sich nicht erzwingen und planen. Und wenn wir seine Anwesenheit fordern, setzen wir uns mit dieser Erwartungshaltung oft genug selbst massiv unter Druck und können allein schon dadurch überfordert sein und krank werden! Denn je größer unsere Forderung an ein glückerfülltes, zufriedenes, angenehmes, positives Leben ist, desto schwerer werden wir mit einer Lebensrealität zurechtkommen, welche diese Forderung nicht erfüllt.

Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast; es hängt nur davon ab, was du denkst.
(Dale Carnegie)

Dem Leben ist es egal, ob wir unseren Zustand als „gut“ oder „schlecht“ werten, ob wir Geld und Besitz haben oder nicht, es fließt unabhängig davon dahin! Doch wir können den „inneren Acker“ vorbereiten, auf dem Glück und Zufriedenheit keimen und gedeihen können. Ob die Saat dann auch aufgeht, müssen wir einer anderen Instanz überlassen. Dies liegt dann nicht mehr in unserer Hand. Was meine ich mit „innerem Acker“? Wir können an uns und mit uns arbeiten, an unserer Wahr-Nehmung, unserer Lebens-Haltung, an unserem Welt- und Glaubensbild. Hier bedarf es in erster Linie eines Blickes nach innen: Auf unsere Stärken und Handicaps und was der Entwicklung bedarf, um Einseitigkeiten auszugleichen. Denn es braucht für Glück und Zufriedenheit vorab ein gewisses entwicklungsfähiges Maß an inneren, seelisch-geistigen Werten wie beispielsweise Vertrauen und Offenheit, Selbst-Bewusstsein und eine gesunde Selbstliebe, Wohlwollen, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, Achtsamkeit, Geduld und Gelassenheit, sowie Fleiß und maßhaltige Vernunft mit einer guten Portion Demut als Grundlage. Dann kann Geld und Besitz als „Zuckerli“ noch dazukommen.

Jedoch die Abhängigkeit von Geld und Besitz sowie der Versuch, damit fehlende innere Werte im Außen zu kompensieren verstärkt oft genug die menschlichen Schattenseiten wie Misstrauen und Entfremdung, Neid, Konkurrenzgehabe und Eifersucht, Geiz und Habsucht, Ärger, Zorn und Hass, Kaltherzigkeit, Egozentrik, Völlerei und blinden Hedonismus („Lust-Sucht“), Überheblichkeit und Faulheit usw.

Lassen wir uns also nicht blenden und verführen von den Einflüsterungen unseres kleinen Ego! Dass man Glück, Zufriedenheit, Freude und seelisch-geistige wie körperliche Gesundheit etc. einfach so kaufen kann, ist eine leider oft gutgemachte Illusion. Genau wie die darauf aufbauende Manipulation durch wirtschaftslobbygebundene Politiker und der Werbung von Industrie und Unternehmen auf der Grundlage des „(viel) Haben macht (dauerhaft) glücklich“!

Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.
(Nicolas Chamfort)

Inneres Glück und Zufriedenheit wollen also innerlich erarbeitet und stets gehegt und gepflegt werden. Und genau diese Anstrengung schreckt so viele Menschen ab. Sie gehen lieber den scheinbar leichteren, oberflächlichen Weg über die Einnahme käuflicher „Glückspillen“, suchen das Glück im Außen, unter Elimination der Schattenseiten des Lebens (Stichwort Verleugnung / Verdrängung / Unterdrückung, körperlich wie seelisch-geistig). Der Preis dafür wird zeitversetzt zu zahlen sein, denn der negative Lebenspol lässt sich nicht dauerhaft unterdrücken, höchstens eine Weile überlagern bzw. in die Zukunft verdrängen. Auch er will gelebt sein zu seiner Zeit. Aber auch diese Verdrängung gehört wohl zum Lern- und Entwicklungsprozess des Menschen zu einem seelisch und geistig reiferen Wesen dazu. Erfahrung wirkt schließlich nicht nur individuell, sondern auch kollektiv.

Hier möchte ich mit einem Zitat des Philosophieprofessors Wilhelm Schmidt schließen, dem ich vollumfänglich zustimme, wenn er sagt:

„Nur wo Sinn erfahrbar ist, dort ist Glück die Folge!“

Und was Sinn bzw. Bedeutung in seinem Leben für jeden einzelnen ist, muss oder darf jeder für sich selbst herausfinden. Die Antwort liegt innen im Seelischen, nicht außen! Wobei das „Außen“ als eine Art Spiegel uns wertvolle Hinweise über uns selbst geben kann. Wir müssen sie nur lesen lernen und ihnen die passende Bedeutung, also den Sinn geben. Und auf welcher Ebene der Sinn des Lebens für uns liegt, hängt eng mit unserem Welt- und Glaubensbild zusammen.

Also öffnet Euch, geht suchen, durchlebt, erfahrt und findet Euren Sinn! Und immer wieder gerne auch mal Glück in einem glückseligen Moment. Doch wer ideales Dauerglück in dieser polaren Welt erwartet, überfordert sich selbst maßlos und gerät in „Glücksstress“. Und wer den Zustand des Glücklichseins ausschließlich mit Äußerlichem und Materiellem wie Geld und Besitz verbindet, sucht auf der falschen Ebene! Er wird letztlich nur den Sinn und die Orientierung im Leben und in sich selbst immer mehr verlieren und so in einer sinnentleerten Welt „erwachen“. Er verliert sich selbst durch Entfremdung vom inneren Wesen und Kern! Wie sollen hier dann noch tiefere Glücksmomente entstehen können?

Lesen Sie weiter im Artikel „Mit Geld kannst Du eine Menge Ablenkung kaufen, aber kein Glück!“ Von Geld, Ablenkung & Glück

Literatur zum Thema:

1 Wilhelm Schmid: „Glück – Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist“ → Sehr empfehlenswert!
2 Michale Argyle: „The psychology of happiness“ oder „The psychology of money“
3 Ruut Veenhoven auf http://worlddatabaseofhappiness.eur.nl
4 Martin Seligman: „Der Glücksfaktor“
5 Erich Fromm: „Haben oder Sein“ → Sehr empfehlenswert!

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