Warum achtet die Schulmedizin (Allopathie) die Verbundenheit von Körper, Seele und Geist so wenig?

Es herrscht heute auf gängiger medizinisch-wissenschaftlicher Ebene eine relativ geringe Einsicht in ein lebendiges, natürliches und vor allem ganzheitliches Menschenbild vor, in dem der Geist die wesentliche (Heil-)Kraft darstellt. Daraus ergibt sich eine mangelnde Akzeptanz der dynamischen, erfahrbaren Wechselwirkungen von Mitwelt, sozialem Erleben, Körper, Psyche und Geist, mit dem sich ansatzweise die Psychosomatik oder die beschäftigen. Im „alternativen“ Heilwesen, beispielsweise in der Klassischen Homöopathie oder Anthroposophie ist dieses ganzheitlich-holistische Menschenbild schon immer Normalität gewesen.
Doch warum grenzt und trennt sich die herkömmliche „Schulmedizin“ hier so ab und behandelt den Geist und seine Wirkung ins Körperliche hinein wie der Teufel das Weihwasser? Dies liegt aus meiner Sicht zum großen Teil an der noch weitverbreiteten analytisch-trennenden, materialistischen und sehr männlich-verstandesbetonten Sichtweise des kartesianischen bzw. rational-mechanistischen Welt- und Glaubensbildes aus der Zeit der „Aufklärung“, beginnend ca. mit dem 18. Jahrhundert. Dieses „maschinenartige“ Denken wirkt immer noch stark in unsere heutige Zeit hinein.
Die Fragmentierung der Heilkunde
Das Ergebnis ist u.a. eine folgenreiche Fragmentierung und Zersplitterung der Heilkunde in viele unterschiedliche Gebiete:
- Philosophie (Liebe zur Weisheit durch Ergründung der Welt und der menschlichen Existenz)
- Spiritualität (Einsicht in ein allumfassendes, inneres, rein geistiges Wesen)
- Biologie (Lehre der Lebewesen und belebten Natur)
- Chemie (Lehre der Materie und deren Eigenschaften, Aufbau bzw. Umwandlung als Nachfolgerin der Alchemie)
- Medizin (Heilkunde des Körpers, seiner Organe, Gewebe, Zellen und deren Störungen)
- Pharmazie (Lehre der Wirkung von Arzneistoffen, Entwicklung, Herstellung, Prüfung von Arzneimitteln)
- Psychiatrie und Psychologie (Heilkunde der „Hirn-Seele“ und deren „Störungen“)…
…sowie in immer weitere spezialisierte, voneinander fragmentierte Fachgebiete, die unverbunden Jahrzehnte lang vor sich hin wirkten. Im Bereich der modernen Medizin ist die Psychosomatik bzw. psychosomatische Medizin (neudeutsch: Mind-Body-Medicine), die Psycho-Neuro-(Endokrin-)Immunologie, die „biopsychosoziale Medizin“ oder auch die sog. „integrative Medizin“ der moderne – und längst überfällige – Versuch, alles wieder irgendwie unter einen Hut zu bringen! Kann dies gelingen, solange der Spirit als übergeordneter Bezugsrahmen ignoriert und ausgegrenzt bleibt? Zumindest wird damit der Rahmen der bisherigen maschinen-medizinischen Sicht auf den Menschen um einiges erweitert. Das lässt hoffen!
Homöopathie – auch Anthroposophie – fußt auf einem ganzheitlichen Menschenbild
Dr. Hahnemann vergaß dabei – im Gegensatz zu vielen seiner ärztlichen Kollegen – aber nicht, dass Menschen keine statischen Maschinen oder mechanisch-technischen Gebilde sind. Menschen sind empfindende, fühlende, mathematisch „unberechenbare“ Wesen, die in ein – niemals rein statisch-rational verstehbares – übergeordnetes Ganzes eingebunden sind! Der dogmatische, fast schon technokratische Glaube an die alles beherrschende, kontrollierende Allmacht (oder gar Hybris?) der nur der Materie zugewandten Technik und Naturwissenschaft war Hahnemann als ganzheitlich denkender und handelnder Wissenschaftler und Arzt fremd und unlogisch. Er wusste, dass Intellekt und Ratio nur einen kleinen Teil des Menschseins ausmacht, gleichberechtigt neben körperlicher Empfindung, Gefühl, Glaube und Intuition bzw. natürlichem Instinkt. Diesen Standpunkt teile ich.
Über Materialismus, Analyse, Rationalismus, Linearität & Kausalität – Ein kritischer Blick
Das heute immer noch weitgehend vorherrschende, aus meiner Sicht recht einseitige und enge, materialistische Welt- und Glaubensbild der Aufklärungszeit fußt auf den grundlegenden Prinzipien von:
- Materialismus / Physikalismus & Mechanismus
- Detailorientierung und Analyse
- Rationalismus
- Linearität
- Kausalität
1. Materialismus (auch „Physikalismus“ genannt) & mechanistisches Weltbild
Nur Materielles (Physisches) als Substanz existiert, rein Geistiges existiert nicht, ebenso wenig wie „feinstoffliche Lebenskraft“. Emotionales und Mentales bzw. Geistiges – und hier ist Gehirn-Mind, nicht Spirit gemeint! – sind nicht durch Bezugnahme auf Immaterielles, Feinstoffliches, Energetisches oder rein Geistiges (Spirituelles) erklärbar.
Somit sind alle Phänomene in der Welt bzw. der Natur auf rein materielle Interaktionen und mechanische Bewegungsgesetze zurückzuführen, selbiges gilt auch für Bewusstsein und Geist (Mind). Denken und Gedanken sind aus dieser Sicht eine physisch-elektro-chemisch-mechanische Eigenschaft des materiellen Körpers bzw. des Gehirns und seines Stoff-Wechsels. Frage: Hat jemand schon mal Gedanken oder Ideen in einem sezierten Gehirn gesehen? Ach `tschuldigung, ich vergaß: Denken ist ja die elektro-chemische Aktivierung von Neuronen-Netzwerken im Gehirn! Oder etwa nicht? Was, wenn wahrer Geist kein Gehirn zum Denken bräuchte und auch jenseits von Hirn „denken“ könnte?
Fixierung der Wahrnehmung auf Mechanik, Technik und Materie
Aber weiter: Der exakt berechenbare atomare und molekulare Aufbau der Materie, die im kleinsten aus Elementarteilchen besteht, ist die Grundlage allen (aus dieser Sichtweise anerkannten) Seins. Daraus wird geschlossen, dass alles Sein auf einen klaren, geradlinigen (= linearen), zielgerichteten Ursache-Wirkungsmechanismus festzulegen und dadurch auch exakt und mathematisch mit dem Intellekt – und seiner Erweiterung in technischen Apparaten – zu berechnen, zu steuern und zu kontrollieren ist.
Dies führt jedoch aus meiner Sicht zu einer verzerrten, reduktionistischen wie einseitigen Fixierung der Wahr-Nehmung auf Mechanik und Materie, Moleküle, Atome und (Elementar-) Teilchen. Alle anderen Bereiche des (menschlichen) Seins werden weitgehend ausgeblendet, verleugnet, verdrängt, unterdrückt und immer häufiger auch bekämpft. Dies schlägt sich im Falle der Homöopathie oder Anthroposophie in einer tendenziell negativen Medienberichterstattung nieder. Propaganda (neudeutsch PR), gepaart mit Finanzmacht und Wissenschaftsdogma, lässt grüßen!
2. Detailorientierung und Analyse: Warum, wieso, weshalb…?
Dabei dürfte eigentlich die systemisch-komplexe Vernetzung der Einzelelemente nicht außer Acht gelassen werden, was aber leider allzu oft geschieht! Die ungetrennte Gesamtheit ist eben weit mehr als nur die Summe seiner analysierten Einzelteile.
Haben wir den Überblick verloren im Dschungel der Details?
Im Übermaß angewendet, hinterlässt das alles eine fragmentierte, unübersichtliche, in allen Details bewertete, etikettierte, beurteilte (und verurteilte) Welt, in deren Fragmenten sich Menschen immer mehr verlieren und entfremden.
3. (Intellektueller) Rationalismus
Vernunft meint ein Erfassen der materiellen Realität mit dem Verstand als oberstes Prinzip der Wahr-Nehmung und die Deutung, Wertung, Beurteilung und Definition dieser Wahr-Nehmung. Alle anderen Wahrnehmungsquellen wie Empfindungen, Gefühle, Intuition bzw. Ahnungsvermögen und eigene Einsicht und Erfahrung werden als mehr oder weniger unsachlich und irrational abgelehnt, abgewertet. Im besten Fall belächelt, in schlimmsten Fall psychologisch u./o. medial eliminiert, sprich aus dem öffentlichen Raum verdrängt.
Expertokratie meets Technokratie
Diese oft sachzwangfixierte Rationalismus-Dominanz (fast möchte ich hier das Wort Hybris oder Diktatur gebrauchen) führt im Überzogenen und Negativen beispielsweise zu einem technischen Umwelt-, Natur- und Menschenverständnis, zu gefühlskaltem, quantitativem, einseitigem, zersplittertem Expertenwissen, zu „Fachidiotentum“, zur Verlagerung von demokratischen Entscheidungen in oft lebensfremde Expertengremien oder – ganz modern – auf KI-Algorithmen (Expertokratie meets Technokratie). Dies alles mündet in ausbeuterischer Umwelt- und Inweltverschmutzung oder in Abwertung und Verurteilung andersartiger Sichtweisen, wie wir medial schon längst in der schleichenden „Einengung des öffentlichen Debattenkorridors“ bemerken können bzw. könnten, wenn wir wollten. (→ siehe „C-Krise“-Protagonisten und deren Erlösungsfantasien in Gen-Spritzen)
4. Linearität (von Ursache und Wirkung)
Aus A resultiert B resultiert C, so haben wir es in der Schule gelernt. Kopfschmerz ⇒ Kopfschmerzmittel ⇒ Kopfschmerz weg!? Jein, denn der Schmerz ist immer noch da, nur eben symptomatisch betäubt und daher aus der Wahrnehmung verdrängt! Linear entspricht hier dem Satz „Das Ziel (Schmerzfreiheit) definiert den Weg (Unterdrückungsmittel)“, ohne noch links und rechts zu schauen, ohne systemisch zu denken, wo der Schmerz wohl herrührt, ohne groß unerwünschte Nebeneffekte, Begleiterscheinungen oder komplexe Wechselwirkungen zu beachten. Einmal ok, aber was, wenn dieses Vorgehen oft wiederholt wird?
Beispiel Medizin – Einfache, lineare Lösung von Beschwerden durch Symptombehandlung?
Alternative systemisch-nichtlineares Denken?
Die Alternative dazu wäre komplexes, vernetztes, divergentes, zirkuläres, systemisches Denken, welches konventionelle Denkmuster tendenziell hinterfragt. „Der Weg ist das Ziel“ oder genauer: „Der Weg der gegenwärtigen Erfahrung ist das Ziel“ → Systemischen Denken kombiniert mit Achtsamkeit lässt deinem Bewusstsein Dinge am Wegesrand sichtbar werden, die mitunter die Richtung des Weges verändern zum Wohle des Ganzen!
Systemisch-nichtlineares Denken schließt eine Zielsetzung (= Erwartungshaltung / theoretische Vorstellung!) jedoch nicht völlig aus. Sie integriert ein mögliches Ziel in den dynamischen (Erfahrungs-) Weg, setzt aber den Schwerpunkt eher auf den Erfahrungsprozess als auf das rational anvisierte Endergebnis. Lineares Denken sucht zu vereinfachen und komplexe Sachverhalte greifbarer zu machen, was jedoch immer auf Kosten aller Informationen geht, die jenseits des begrenzt-linearen (Erfahrungs-)Weges liegen. Was da nicht stur linear beweisbar ist, kann also auch nicht sein und wird in der Regel einfach ignoriert! Aber auch hier gibt es immer mehr Veränderungen aufgrund der Ausdehnung systemisch-dynamischer Denkweisen (s. letzter Absatz „Materialismus).
5. Kausalität (Ursache ⇒ Wirkung, Aktion ⇒ Reaktion)
…und mehr. Weiter geht´s weiter im 2. Artikelteil:
Da ich zur Zeit eine ganzheitliche stationäre Therapie bezüglich chronischer Infektionen, chronischer Schmerzsymtomatik und Asthma mache, hat mir Ihr Artikel zusätzlich geholfen, dies zu verstehen und anzunehmen. Mein Weg ist richtig, denn ich benötige jetzt weder Schmerzmedikationen noch Kortison und Asthmasprays. Diese komplexe Heilmethode ist für mich absolut stimmig und ich freue mich über meine ersten Erfolge. Herzlichen Dank und liebe Grüße
Hallo Martina! Gutes Gelingen weiterhin wünsche ich Ihnen! LG
Ausgesprochen ansprechende Gedanken, wirklich ganzheitlich! Schade, dass unsere „zivilisierte“ Welt dieses Wissen nicht lebt. So sind wir alle mehr oder weniger krank und leiden meist still unter dem Erlebten. Respekt vor Ihren Gedanken und dem Willen, immer noch hinzuzulernen. Ihre Gedanken geben Hoffnung… Weiter so – lieben Gruß Michaela Felder
Liebe Frau Felder! Freut mich, dass mein Artikel Sie – und hoffentlich auch den einen oder anderen – berührt. Alles Gute!