Gesund vs. krank – Zwei Seiten einer Medaille

Sie befinden sich im zweiten Teil des Artikels über die vier Grundängste beziehungsweise vier Charakter-Tendenzen in zwei Spannungsfeldern – Nähe vs. Distanz und Kontrolle vs. Freiheit. Herausgearbeitet habe ich das Ganze auf der Basis von Fritz Riemanns Darstellung im Buch „Grundformen der Angst“.
Lassen Sie sich beim Durchlesen des Buches „Grundformen der Angst“ nicht zu sehr von der „negativen“ beziehungsweise pathologischen Ausdrucksform Fritz Riemanns stören. Diese diagnostischen Begriffe wandeln sich beim seelisch (mehr oder weniger) Gesunden in eine andere, „positivere“ Bedeutung:
- Schizoid → Wenn Ihnen beispielsweise dieser Begriff nicht gefällt, ersetzen Sie ihn – wie in der Übersichtstabelle in Teil 1 schon erwähnt – durch beispielsweise Unabhängigkeit liebend oder Kritisch-Distanziert oder nach Selbstbestimmung strebend.
- Depressiv → Diesen Typ könnten Sie als Nähe liebend oder Fürsorglich-Bemutternd oder Mitfühlend (bis mitleidend) bezeichnen.
- Zwanghaft → Den drittem im Bunde bekleiden Sie vielleicht mit Struktur und Ordnung liebend oder Beherrscht und kontrolliert oder auch Traditionell-konformistisch.
- Hysterisch → Nennen Sie den hysterischen Typen stattdessen Freiheit liebend oder begeisterungsfähig und spontan-kreativ-lebendig oder auch Regel-Rebell.
- Nachtrag zum narzisstischen Typen
Licht und Schatten – Willkommen in der Polarität der materiellen Welt
Da wir in einer gespaltenen, polaren Welt leben, existiert natürlich neben unserer „dunklen Seite“ gleichberechtigt auch die „helle Seite“, die der Ressourcen, der Stärken und der gesunden, lichten, selbstförderlichen Eigenschaften und Kräfte der jeweiligen Charaktere und Menschen.
Und die gilt es meiner Ansicht nach – parallel zur Annahme unserer ungeliebten Seiten, nicht deren Bekämpfung! – zu fördern, zu bestärken und im Alltag übend „einzuleben“, wenn wir runder, authentischer, präsenter, lebendiger und v.a. gelassener sein wollen. Finden Sie Ihre innere Balance. Gleichen Sie Einseitigkeiten und Extreme immer wieder rechtzeitig aus – sonst wird es das „Schicksal“ tun, z.B. über den Prozess von „Leid“ oder „Krankheit“. Finden Sie das zu Ihnen jeweils passende Lebens-Maß und nähern sich immer mehr Ihrer „inneren Mitte“ und dem an, was wir ein Leben in „heiterer Gelassenheit“ nennen könnten.
Doch überfordern Sie sich dabei nicht! Wenn es vor allem erst mal um das Erlernen von Achtsamkeit / erkennendem Selbstbewusstsein und annehmender, liebevoller Selbstfürsorge geht, sollten sich Zeit und Geduld schenken.
Hier wäre beispielsweise ein Meditations- & Achtsamkeits-Training eine empfehlenswerte Option, vorausgesetzt es liegen keine (schwereren) psychischen Störungen vor. Ist dann beispielsweise die nicht wertende Selbstannahme gut gediehen und ein gewisses Maß an Selbstvertrauen aufgebaut, ist der nächste Schritt die Entwicklung von mehr eigenverantwortlichem Denken, Fühlen und mutigem Handeln. Eins nach dem anderen, wobei auch hier die Übergänge natürlich fließend sind! Wer dann gerne noch viel tiefer einsteigen und den rein psychologischen mit spirituellen Aspekten erweitern möchte, findet mit „Ein Kurs in Wundern“ vielleicht einen passenden Weg zu wirklichem innerem Frieden.
Grundformen der Angst als Entfaltungsbremse
Vier Grundformen der Angst: Vier Blickwinkel des In-der-Welt-Seins in zwei Spannungsfeldern
Menschen sind individuell und wandelbar. Sie haben nicht nur eine einzige Seite oder eine auf Dauer festgelegten Selbstausdruck. Unser tiefer Charakter, unsere Persönlichkeit sowie die in der Öffentlichkeit getragene, zweckgebundene „Maske“ setzen sich aus vielen Schichten und im Sinne dieser hier dargelegten Betrachtungsweise aus einer individuellen Mischung aller vier Anteile zusammen. Fritz Riemann nannte sie „vier verschiedene Arten des In-der-Welt-Seins“. Und bezogen auf die Ängste: Die vier Grundformen der Angst.
In der Regel haben viele von uns jedoch eine mehr oder weniger deutliche Charakterstärke und eine angstgesteuerte Charakterschwäche. Je länger ein Mensch lebt, umso deutlicher tritt sein Schwerpunkt im Positiven wie im Negativen zutage. Je ausgeglichener und gelassener ein gereifter Mensch auf uns wirkt, umso eher können wir davon ausgehen, dass er alle vier Anteile im rechten, individuellen Maß für sich entwickelt hat, sie ausgewogen lebt und vor allem, sie letztendlich nicht allzu ernst nimmt!
Leben in zwei polaren Spannungsfeldern
Das Geniale an der (modifizierten) Riemann´schen Betrachtungsweise ist die polaritätsbezogene Ausrichtung! „Schizoid“ / Distanziert und „Depressiv“ / Näheliebend bilden ein direktes Gegensatzpaar, genauso wie „Zwanghaft“ / Beherrscht und „Hysterisch“ / Spontan. So ergeben sich aus den vier Prägungen und Grundformen der Angst zwei spannungsgeladene Konfliktthemen und Entwicklungsfelder:
→ Distanz- und Abgrenzungsfähigkeit
versus
→ Verbindungs- und Hingabefähigkeit
sowie
→ Beständigkeit und Wesenstreue
versus
→ Flexibilität und Wandlungsfähigkeit
Charakter, Ängste, Stress und Psychosomatik
Durch Forschungen auf dem Gebiet der Psychosomatik, der Psychoneuroimmunologie und Hirnforschung erfahren wir folgendes: Dass die Art und Weise unseres Wahrnehmens der Welt – über Empfinden, Fühlen, Denken und Werten – sowie der unförderliche, auf Verdrängung gerichtete Umgang mit konfliktträchtigen Lebensthemen und Ängsten nachhaltig die drei großen und aufs engste miteinander verflochtenen körperlichen Regulationsinstanzen – vegetatives Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem – in ihrer Selbstregulation stören können.

→ Klick Bild zum Vergrößern
Über diese drei Systeme spielen unsere vom Verstand vorgefilterten Wahrnehmungen – und die vier Grundängste als Verzerrungen dieser Wahrnehmungen – unmittelbar ins Stofflich-Organisch-Zelluläre hinein. Dabei bringen sie die autonome Eigenregulations- und Ausgleichsfähigkeit, die Selbstheilungskraft des materiellen Organismus langfristig durcheinander. Und infolge der Unordnung in diesen autonomen Regulationen können sich alle nur erdenklichen körperlichen, emotionalen und mentalen Beschwerden entwickeln. Die wirken wiederum als Stressfaktoren und setzen einen Teufelskreis in Gang.
Wir können etwas Förderliches für uns tun und Unförderliches lassen!
Denn umgekehrt führt die Einübung eines achtsamen, wertungsfreien, selbstfürsorglichen und liebevoll-annehmenden Umgangs mit Empfindungen, Gefühlen und Gedanken wieder zurück in die Ordnung der autonomen Regulationen und stärkt langfristig unsere innere Kraft und Stressresistenz:
Die Stimmung bessert sich, mehr Freude, Ruhe und Zufriedenheit stellen sich ein. Reizbarkeit, Urteilssucht, Ängste und Depressionen nehmen ab. Viele körperliche Beschwerden wie chronische Schmerzen können sich reduzieren, erhöhter Blutdruck sich senken, das Immunsystem gestärkt werden, weniger Erkältungen oder grippale Infekte auftreten, der Geist nimmt wieder klarer wahr, Gedächtnisleistung und Reaktionszeiten verbessern sich usw. (Text-Quelle 14) Die Wahrnehmung der Stressbelastung insgesamt reduziert sich, die Stressresistenz bzw. Resilienz nimmt zu!
Einen alternativ-medikamentösen, relativ sanften und nebenwirkungsfreien Umgang mit solchen körperlich-funktionellen Beschwerden und seelisch-geistigen Reibungsflächen bietet beispielsweise die Methodik der „Charakterisierenden Klassischen Homöopathie“. In den verschiedenen homöopathischen Heilmitteln und Charakterbildern spiegeln sich die vier seelischen Grundängste bzw. Grundkonflikte in unterschiedlicher Ausprägung wieder. Doch die wichtigste Arbeit ist und bleibt die mit SICH SELBST in möglichst WACHER, LIEBEVOLLER ACHTSAMKEIT!
Die vier Grundformen der Angst bzw. die vier Charaktertypen nach Riemann – Tabellarische Übersicht als pdf-Datei
Doch jetzt zum Kern der Sache. In der Download-Datei finden Sie eine weit gefasste tabellarische Übersicht. Diese das symbolische – nicht das lineare! – Denken im Kontext der vier beschriebenen Kräfte bzw. Grundformen der Angst, Schwächen, Stärken und Sehnsüchte anregen will. Viel Freude beim (Kreuz- und) Querdenken… und Weiterdenken…