Was ist Heuschnupfen / allergischer Schnupfen?

Allgemeines zu Heuschnupfen und Pollenallergie

In einer Wiese sitzendes Mädchen hat Heuschnupfen, niest und schneuzt
Niesattacken? Heuschnupfen? Gesundheit!
Allergischer Schnupfen oder eine Pollenallergie zur schönsten Zeit trübt Freude und Lebendigkeit

Was ist Heuschnupfen? Heuschnupfen ist eine allergisch bedingte Entzündung der Nasenschleimhaut, die häufig schon in der Kindheit beginnt, aber auch im Erwachsenenalter erstmalig auftreten kann. Allergien allgemein und Heuschnupfen im Besonderen sind seit vielen Jahren in Deutschland stetig am Zunehmen und von oft hartnäckiger Natur.

Dies ist der erste Teil meiner vierteiligen Artikelserie über Heuschnupfen.

Teil 2 → Symptome, Begleiterscheinungen, Komplikationen, Kreuzallergie

Teil 3 → Vorbeugung und Hilfe zur Selbsthilfe

Teil 4 → Unterstützende Ernährung, Vitalstoffe und Hausmittel

1.  Was ist eigentlich eine Allergie?

Auf eine Tafel mit Kreide geschrieben steht Heuschnupfen!
Heuschnupfen – Die häufigste Form der Allergie

Allergien sind entzündliche, überschießende Abwehrreaktionen unseres Immunsystems, von denen fast ein Drittel aller Deutschen betroffen sind. Heuschnupfen ist unter allen Allergien dabei die häufigste Form. Nicht nur im Frühjahr und im Sommer, immer häufiger auch im Spätherbst und selbst im Winter leiden manche Menschen an Heuschnupfen.

Heuschnupfen auch im Winter?

Heuschnupfen, wenn´s kalt ist? Nun, die Bezeichnung „Heuschnupfen“ bezieht sich im Allgemeinen auf den Pollenflug von Pflanzen während deren Blütezeit. Und eben diese verlängert sich mit den veränderten klimatischen Bedingungen. So kann selbst im Winter bei Plusgraden – wie beispielsweise Anfang und Ende Januar 2013 in München bei tagelangen Temperaturen tagsüber zwischen 5 und 14°C – gehäuft Heuschnupfen auftreten. Auslöser war der verstärkte Pollenflug von Frühblühern wie Hasel und Erle.

Doch auch andere Stoffe neben Pollen, wie z.B. die Absonderungen von Hausstaubmilben oder auch Katzenhaare bzw. Tierhaare allgemein oder Chemikalien können bei Inhalation – und entsprechender Bereitschaft – allergischen Schnupfen auslösen, nicht verursachen wohlgemerkt! Die Symptome unterscheiden sich dabei in keiner Weise vom Heuschnupfen durch Pollen bzw. Blütenstaub.

Medizinische Fachbegriffe zu allergischer Rhinitis bzw. allergischem Schnupfen

Allergische Rhinitis (zu deutsch allergiebedingte Entzündung der Nasenschleimhaut) ist das übergeordnete medizinische Diagnosewort bei Heuschnupfen. Die allergieauslösenden Stoffe selbst – Pollen, Haare, Milbenkot, aber auch Chemikalien – nennt man Allergene. Eingeatmete Allergene nennt man Inhalationsallergene. Allergene sind zumeist für uns völlig harmlose Eiweiße bzw. Eiweißverbindungen, auf die ein bereits irritiertes Abwehrsystem „verschnupft“ und „aggressiv“ reagiert.

Und wenn als allergieauslösender Stoff ein Blütenpollen bzw. ein Gräserpollen identifiziert ist, spricht man eben von Heuschnupfen, Pollenallergie oder saisonaler allergischer Rhinitis. Bei allen anderen Schnupfen auslösenden allergischen Stoffen nennt man es medizinisch nur allergischer Schnupfen bzw. allergische Rhinitis.

Wann fliegt was? Tägliche Pollenvorhersage!

Da jede Pollenart ihre pflanzentypische „Flugzeit“ hat, treten die Beschwerden meist auch nur in einer bestimmten Zeitphase und lokal zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf. Hierüber informiert – sehr allgemein und daher relativ ungenau – ein sogenannter Pollenflugkalender oder – regional deutlich genauer – die tägliche Pollenflugvorhersage die betroffenen Allergiker.

Welche Blütenpollen sind häufig Auslöser für Heuschnupfen?

Blütenpollen unterm Mikroskop betrachtet
Blütenpollen – 500-fach vergrößert

Was sind Pollen? Pollen sind winzige und eigentlich harmlose Pflanzenpartikel wie Blütenstaub oder genauer Blütenpollen, Gräserpollen, Getreidepollen und Baumpollen, die der Vermehrung der Pflanzen dienen.

Ein einzelnes Pollenkörnchen ist nur unter dem Mikroskop sichtbar. Das nebenstehende Bild zeigt eine 500-fache Vergrößerung. Der ovale Pollen in der linken unteren Ecke ist ca. 50 μm (0,05 mm) klein.

Zu den mit rund 90% am häufigsten Allergien auslösenden Pollenarten gehören die Pollen der Frühblüher Haselstrauch und Erle sowie die später blühenden Pflanzen wie Birke, Esche, diverse Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia.

Letztere sei noch gesondert erwähnt: Das in Deutschland sich immer weiter ausbreitende beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia, ein Korbblütler). Es kann bereits in sehr geringer Pollen-Konzentration bei empfindlichen Personen sehr starke allergische Reaktionen auslösen. Durch die späte Blütezeit bis in den Oktober hinein, verlängert sich für einige Heuschnupfen-Allergiker so die Leidenszeit. Desweiteren kann ein Beifußpollen-Allergiker wegen der Ähnlichkeit der Pollen mit Ambrosia auch gegen Ambrosiapollen reagieren (s. Stichwort Kreuzallergie, im zweiten Artikel Symptome des Heuschnupfens).

2.  Auslöser / „Ursachen“ von Heuschnupfen

Ein verwirrtes und überempfindliches Abwehrsystem unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind
Ein allergischer Schnupfen bzw. eine Pollenallergie oder Heuschnupfen resultiert aus einer bereits bestehenden Überempfindlichkeit (Intoleranz / Sensibilisierung) unseres Immunsystems gegen bestimmte Stoffe wie beispielsweise Blütenpollen.

Was passiert im Abwehrsystem?

Das verwirrte Immunsystem bildet hierzu spezielle Markierungsstoffe oder „Erinnerungs-Marker“ aus, sogenannte IgE-Antikörper, welche sich das Allergen bzw. die Pollenart wie einen Fingerabdruck merken. Diese IgE-Antikörper werden von Abwehrzellen des Lymphgewebes in der Umgebung des Atmungs- und Verdauungstraktes gebildet und heften sich an andere Zellen des Abwehrsystems (sogenannte Mastzellen). Der Erstkontakt ist dem Kennenlernen des „Feindes“ vorbehalten. Dies bleibt erstmal nach außen symptomlos und damit unbemerkt.

Erst wenn die sensibilisierten Mastzellen erneut in Kontakt mit der gleichen Pollenart kommen, beginnt die sogenannte Sofort-Reaktion, die hochakute „Kampfphase“. Man nennt diese Art der Allergie Typ-1-Allergie oder Allergie vom Soforttyp aufgrund der schnellen Entzündungsreaktion. Die Mastzellen schütten massiv Entzündungen startende Stoffe aus (sog. Entzündungsmediatoren) wie beispielsweise Histamin und andere. Weitere Abwehrzellen werden zusätzlich alarmiert und die Entzündungsreaktion breitet sich im betroffenen Gewebe aus.

Heuschnupfen ist quasi das Resultat von Fehlalarm an den Außen-Grenzen des Körpers
Und wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne: Aus dem „falschen Alarm“ im Schleimhautmilieu resultieren dann die unangenehm spürbaren Symptome der Entzündung wie Rötung, Schwellung (Ödem), Hitzeempfinden bzw. Schmerz und Funktionseinschränkung im Gewebe. Wohlgemerkt: Das Ganze findet nicht innen im Körper statt, sondern an den die Körperintegrität schützenden Außengrenzen, nämlich der Schleimhaut des Verdauungstraktes bzw. der Schleimhaut des Atmungstraktes.

Die Reaktionszeit zwischen dem zweiten Kontakt der Pollen auf der Schleimhaut und dem ersten Auftreten von spürbaren Symptomen beträgt dabei Sekunden bis wenige Minuten. Es kann dann zusätzlich zeitversetzt nach einigen Stunden noch eine sogenannte Spätreaktion mit einer Verstärkung der Symptome auftreten.

Erklärungsversuche der Hintergründe – Warum, wieso, weshalb?

Pollen: Auslöser, aber nicht „Ur-Sache“ des Ungleichgewichtes im überreizten Menschen und seinem Abwehrsystem
Was aber bringt unsere Abwehr in so ein großes Ungleichgewicht? Diese scheinbar so sinnlose Sensibilisierung gegen völlig Harmloses deutet auf ein wiederum bereits vor dem Erstkontakt mit dem Allergen bzw. Pollen bestehendes Ungleichgewicht in der Regulation der körpereigenen Abwehr hin!

Die überempfindliche, verwirrte und überreizte Abwehr identifiziert zwar körperfremde, aber harmlose (Eiweiß-)Stoffe unserer alltäglichen Umwelt bei Schleimhaukontakt scheinbar plötzlich als bedrohlich und greift an.

Ich sehe die „Ur-Sache“ des Heuschnupfens weder im Pollen noch im verwirrten Abwehrsystem! Beide fungieren nur als Auslöser bzw. Vermittler der Reaktion. Warum das Abwehrsystem so überempfindlich, verwirrt und intolerant reagiert, darüber gibt es – je nach Welt- und Glaubensbild – verschiedene Erklärungsmodelle, die sich gegenseitig durchdringen.

•  Vererbt / Genetisch bedingt:

Naja, wenn man in der Medizin sonst nichts Greifbares findet, sagt man halt, es sei genetisch bedingt. Kann zum Teil schon stimmen, es gibt genetisch bedingte körperliche Schwachstellen, die je nach innerer Verfassung und Umwelteinflüssen aktiviert oder deaktiviert werden. Aber beispielsweise ist es auch so, dass Embryos im Mutterleib von schwangeren Frauen, die auf dem Land leben und ständigen Kontakt zu „landtypischen“ Stoffen haben, später als Kinder im Leben wesentlich seltener allergisch bedingte Atemwegsprobleme bekommen.

Außerdem baut sich genetische Information (DNS) aufgrund von Inwelt- und Umweltreizen ständig um (Fachgebiet: Epigenetik). Es entstehen also immer ausreichend Möglichkeiten, dass defekte und fehlerhafte Gene („genetische Schwachstellen“) aussortiert und wieder neu aufgebaut werden. So gesehen halte ich die Genetik als Mitfaktor nicht für ausgeschlossen, jedoch für weit überbewertet!

•  Westlicher Lebensstil / Verstädterung:

Entfremdung vom naturnahen Leben und natürlichen (Tag- / Nacht-, Sommer- / Winter-) Rhythmen (Stichwort Chronobiologie), zunehmende Verstädterung und Überzivilisierung (und damit einhergehende Bequemlichkeit und „Verweichlichung“), übertriebene Hygiene im Haushalt (mit zunehmendem „Desinfektionswahn“), übertriebene Angst vor Schmutz sowie Mikroorganismen und dadurch zuwenig Kontakt zu Schmutz, Bakterien, Parasiten etc. Dies führt beispielsweise zu einem untrainierten und degenerierten Immunsystem!

      • Allergien wie Heuschnupfen sind bei Landbewohnern deutlich seltener als bei Städtern: Allergien nehmen mit zunehmender Gemeindegröße zu. Auf dem Land und vor allem auf Bauernhöfen aufgewachsene Kinder haben seltener Allergien als Stadtkinder. Innenstadtkinder leiden häufiger an Allergien als Kinder, die im Randgürtel von Städten aufwachsen (Quelle 12).
      • In den Entwicklungsländern der sogenannten Dritten Welt mit wesentlich schlechteren Hygienestandards und nahem Haustierkontakt sind Allergien bzw. Heuschnupfen kaum anzutreffen!

•  Zunehmender Verkehr, Industrialisierung, Luft- und Bodenverschmutzung:

Weiterhin massenhaft Umweltgifte / chemische Substanzen im Außen- und Innenraum: Konservierungs-, Imprägnier-, Flammschutzmittel, abgasende Giftstoffe aus Möbeln, Bodenbelägen, Lacken, Anstrichen etc., Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft, Reinigungsmittel, Medikamente / Impfungen [hinterlässt neben Störungen der Eigenregulationskraft auch toxische Chemie im Körper, zusätzlich noch aufgenommene Arzneirückstände über Trinkwasser, Nahrungsmittel, industrielle Tiermast etc.], Schmink- und Körperpflegeprodukte, Verkehrsabgase / Feinstaubbelastung, Lärm / Verkehrslärm, Aktiv- und Passivrauchen…

•  Digitalisierung mit massiv steigender Strahlenbelastung:

Nieder- und hochfrequenter Elektrosmog, digitale und gepulste Hochfrequenz-Funkstrahlung etc. schwächt unter anderem Funktionen im Abwehrsystem durch subtile Störung der elektrischen Zellkommunikation im Millivolt-Bereich.

•  Ungünstige Zeit-, Lebens- und Ernährungsgewohnheiten:

Führen zur Schwächung der Schleimhautbarriere im Atemtrakt → Feinstaub, Rauchen (v.a. aktiv, aber auch passiv)

Führen zur Schwächung der Darmschleimhautbarriere und Irritation des darmassoziierten Abwehrsystems → Zu viel Alkohol (enthält entzündungsstartendes Histamin!), zu viel Fast Food, viel zu viel Zucker, zu viel industriell hergestelltes Fleisch und Wurstprodukte (enthält u.a. Medikamentenrückstände von Impfungen, Antibiotika, Hormonen, Beruhigungsmitteln / Psychopharmaka, Masthilfen sowie Farbstoffe, Nitritpökelsalz, Gentechnik…), zu viele Fertiggerichte mit unsinnigen und allergiepotenten Zusatzstoffen wie beispielsweise synthetische Aromen, Süßstoffe, Konservierungsmittel oder Geschmacksverstärker wie Glutamat…

Ein ständiges Leben gegen den eigenen chronobiologischen Typ (Lerche, Morgentyp, steht gern früh auf vs. Eule, Abend-Nacht-Typ, schläft morgens gern aus, und Zwischentypen) führt zu Störungen der komplexen Stoffwechsel- und Regenerationsprozesse der Zellen, Gewebe und Regulationssysteme und schlägt auch auf das Gemüt.

•  Leistungsbezogener körperlicher sowie emotionaler Dauer-Stress:

Schwächt Energie und Lebenskraft, bremst und behindert zelluläre Regenerationsprozesse, verändert und untergräbt die Fähigkeit zur autonomen Selbstregulation, stört bzw. verstellt nachhaltig Funktionen u.a. im vegetativen Nervensystem, Hormonsystem und Abwehrsystem! (Endzustand: Burnout)

•  Psychosomatische, emotionale, seelische Einflüsse / Konflikte

durch unförderlichen Umgang mit Lebens-Themen wie…

      • Emotionale Überempfindlichkeit und überzogene Abwehr von Fremdeinflüssen (die psychosomatisch bedingt unbewusst über den Körper ausgelebt werden, beispielsweise in Form einer Allergie bzw. des Heuschnupfens)
      • Ärger, Empörung, Zorn, Wut und Hass ( in Form gelebter, aber nicht bewusst in sich selbst wahrgenommener Aggression oder in Form unterdrückter Aggression bzw. Autoaggression: Unbewusster Selbst-Angriff bzw. gegen sich selbst gerichtete, zerstörerische Energie)
      • Impulsive Lebendigkeit und voll gelebtes Leben mit den schönen und den schmutzigen, dunklen Seiten → kontra ← Sterilität / Keimfreiheit / Schmutzfreiheit / Aggressionsunterdrückung = Unlebendigkeit
      • Liebevolle und vertrauensvolle Hingabe und Öffnung der Welt bzw. den Menschen gegenüber → kontra ← seelische Verletzung / Grenzkonflikte / (heftige) Abgrenzung / Trennung
      • Zu diesen Punkten siehe auch meine beiden Artikel über Fritz Riemanns „Grundformen der Angst

3.  Auslöser für andere Arten allergisch bedingten Schnupfens

Letztlich kann jeder eingeatmete Kleinststoff auf entsprechend überempfindliche Menschen reizend wirken. Zu den restlichen ca. 10 % der allergischen Schnupfen auslösenden Stoffe gehören am häufigsten:

  • Hausstaubmilben (genauer: deren Ausscheidungen) und Katzenhaare
  • Andere Tierhaare, z.B. Hundehaare, Pferdehaare…
  • Pilzsporen (Schimmelpilze)
  • Seltener bestimmte Staubpartikel im Feinstaub von Zigarettenrauch, Mehlstaub, Holzstaub, Rußpartikel usw.

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Weiter zum Artikel Teil 2 → Symptome, Begleiterscheinungen, Komplikationen, Kreuzallergie

Weiter zum Artikel Teil 3 → Vorbeugung und Hilfe zur Selbsthilfe bei Heuschnupfen / Pollenallergie

Weiter zum Artikel Teil 4 → Ernährung und Hausmittel bei Heuschnupfen / Pollenallergie


©2013, aktualisiert 04.08.25 • Heilpraktiker Dieter Wolf • Infos zu integrativer Medizin, Psychologie, Psychosomatik (Mind-Body-Medizin), Komplementär- / Alternativmedizin (z.B. Klassische Homöopathie), Achtsamkeit, Meditation, Philosophie, Spiritualität / „Ein Kurs in Wundern“, Soziologie, Gesellschaftskritisches und mehr…